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Aboriginal Art Galerie Bähr |
Kunst australischer Aborigines | ||
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Die zeitgenössische Kunst australischer Aborigines
1971 malte Mick Namarari Tjapaltjarri das erste Bild mit Acryl auf Leinwand. Dies war - von einigen Vorläufern abgesehen - der Beginn einer Malbewegung, die sich innerhalb weniger Jahre sprunghaft verbreitete. Nach 15 Jahren bereits, also Mitte der 80er Jahre hatten alle großen Kunstmuseen Australiens Sammlungen mit dieser Malerei angelegt und zeigen seitdem Exponate in den Abteilungen für zeitgenössische Kunst ihrer ständigen Ausstellungen. Die Auseinandersetzung darum, ob es sich um zeitgenössische Kunst oder um Volkskunst handelt, ob man sie in die Kategorien Art Brut oder Ethnographica preßt - was in Deutschland so beliebt ist -, war in Australien mit den Sammlungen und Ausstellungen in den Kunstmuseen aller Großstädte weitgehend zugunsten der Zeitgenossenschaft entschieden. Seit Beginn der Malbewegung arbeiten die Künstlerinnen und Künstler für die Öffentlichkeit. Die enstandenen Werke wurden also nie für einen anderen Zweck als der Vermittlung von Kunst und Kultur gearbeitet. Sie reflektieren nicht vergangene Traditionen, sondern die heutige Kultur. Es sind keine religiösen Objekte. Die Arbeiten sind Teil der zeitgenössischen Kunst Australiens; sie sind eine der zwei Säulen, auf denen die australische zeitgenössische Kunst ruht. Die Geschichte Ein Zusammentreffen verschiedenster gesellschaftlicher Vorgänge begünstigte die Malbewegung, die ihren Ausgangspunkt in Papunya nahm, einer Siedlung ca. 250 km westlich von Alice Springs, also im Herzen von Australien. Diese Siedlung wurde als eine der letzten 1960 unter dem Diktat der Assimilationspolitik der australischen Regierung gegründet. Die Aborigines sollten sich - so sie denn schon die schrecklichen Verfolgungen bis hin zum Völkermord bis weit in das gerade vergangene Jahrhundert hinein überlebt hatten - der weißen, europäischen Lebensweise anpassen. Andere Gründe für die zwangsweise Ansiedlung verschiedener Gruppen und Völker war ein seit 1946 betriebenes militärisches Raketentestgelände (Woomera Rocket Range) und die aufkommende Tourismusindustrie. Ungeachtet ihrer unterschiedlichen Kulturen wurden bis Mitte der 60er Jahre etwa 1000 Aborigines verschiedener Völker in Papunya zusammengepfercht, was notwendigerweise zu sozialen Spannungen führte. Denn eigentlich lebten die Aborigines in kleineren Gruppen, trafen sich mit anderen Gruppen zur Feier religiöser Zeremonien, wahrten sonst aber Abstand in gegenseitigem hohem Respekt. Der Zwang und Druck, der u.a. durch das Verbot entstand, diese Siedlung ohne Genehmigung durch Weiße verlassen zu dürfen, und das Bewußtsein bei den Älteren der Aborigines darüber, daß ihre Kultur zunehmend Schaden leidet, ließen einen Ausweg dringend erscheinen. Die Mitte der 60er Jahre beginnende Landrechtsbewegung hatte weiteren Einfluß auf das wachsende Verlangen der Aborigines nicht nur auf Wahrung, sondern auch auf Anerkennung ihrer Kultur. Erst 1967 wurden die Aborigines als Staatsbürger Australiens anerkannt. Und nur einige Jahre zuvor wurde ihnen in einem Gerichtsverfahren das Recht zugestanden, in gleicher Weise wie die Weißen für Arbeit entlohnt zu werden. In Papunya agierte der Kunstlehrer Geoffrey Bardon als auslösender Funke für die Malbewegung, indem er aufforderte, in der den Aborigines eigenen Bildsprache zu malen und indem er Malmaterialien organisierte, Acrylfarben und Leinwand. Die Malbewegung verbreitete sich sprunghaft von Siedlung zu Siedlung entlang der Verwandtschaftsbeziehungen, die aufgrund eines völlig anderen Systems als der Blutsverwandtschaft sehr weitläufig sind, und entlang der Reisen zu religiösen Feierlichkeiten. Die Malerei Heute finden wir eine große Vielfalt in der Malerei vor. Innerhalb von nur drei Jahrzehnten hat die Malbewegung eine immense Diversifizierung der Stile hervorgebracht. Die Kunstgeschichtsschreibung hat aber noch keine griffigen Kategorien für diese Kunst gefunden. Sie unterscheidet bislang nur zwischen der Desert- und der Städtischen Kunst. Innerhalb der Desertkunst wiederum, also der Kunst Zentralaustraliens, kann man zwei Richtungen bestimmen: die Punkt- und die Linienmalerei. Eine andere Untergliederung ist ebenso simpel, nämlich die verschiedenen Richtungen mit den Orten zu verbinden, an denen die Kunst entsteht. So spricht man z.B. von der Kunst aus Papunya/Kintore, Yuendumu, Utopia, Wirrimanu ? auch Balgo genannt ? oder Warmun. Dies hat ganz sicherlich noch seine Berechtigung, wenn man z.B. die Bilder aus Warmun, einer Siedlung in den Kimberleys im Nordwesten Australiens, betrachtet. Sie sind allesamt mit Erdpigmenten auf Baumwolle in einer Farbflächenmalerei gearbeitet. Aber innerhalb der einheitlichen Verwendung von Malmaterialien zeigt sich, daß die Künstler/innen ihre eigenen, unverwechselbaren Bildfindungen verfolgen. Auch an den Arbeiten aus Wirrimanu wird deutlich, daß die Kategorisierung der Malerei nach Orten nicht sehr ausdrucksstark ist. Zu unterschiedlich sind die Malweisen der einzelnen Künstlerinnen und Künstler. Zu keinem besseren Verständnis würde führen, die Punktmalerei aus Yuendumu, Papunya oder Utopia mit dem Pointilismus zu verwechseln oder die Werke mit Begriffen wie Op Art, Abstrakter Expressionismus oder Fauvismus zu belegen. Damit hat die Malerei australischer Aborigines nichts zu tun, wenn auch die Grundtechniken der Desert-Kunst, die Punkte, Linien, monochromen Gründe, die Effekte der Überlagerungen ebenfalls Grundlagen der modernen westlichen Malerei sind, weshalb die Werke wie moderne abstrakte Gemälde wirken. Man kann aber von Ikonographie und Symbolik in den Bildern und von narrativem Inhalt sprechen. Die Geschichten und die Ikonographie Wie im Kapital "Tjukurrpa" erwähnt, erzählen die Bilder Geschichten. Die Geschichten - mal mehr und mal weniger ausführlich von der Künstlerin oder dem Künstler erzählt -, sind Bestandteil der Bilder und werden durch die verwendete Symbolik verdeutlicht. Dabei ist jedoch zu bemerken, daß anders als in der europäischen Malerei gleiche Symbole nicht Gleiches bedeuten. Je nach gemalter Geschichte bezeichnen z.B. konzentrische Kreise - ein sehr altes Symbol - einen Versammlungplatz, eine Wasserstelle, eine heilige Stätte oder anderes. U-Formen stehen in der Regel für Menschen. Beim Vergleich von Bild und Geschichte zeigen sich typische Merkmale der Malerei australischer Aborigines: Die Geschichte selbst wird oft nur in rudimentärer Weise erzählt. Sie wird malerisch übersetzt, also nicht direkt abgebildet. Diese Übersetzung erfolgt entweder in einer Symbolsprache, was für viele Künstlerinnen und Künstler Zentralaustraliens gilt, die mit Punktmalerei arbeiten; oder die Geschichte wird in einer formal sehr reduzierte Komposition von gepunkteten Strukturen oder Linien dargestellt. Oft zeigen die Bilder eine Landschaft, wobei es sich in der Regel um das Land handelt, zu dem die Künstlerin oder der Künstler gehört. Die Geschichten erzählen von Begebenheiten der Tjukurrpa, vom aboriginalen Gesetz. Sie enthalten all das Wissen über Tiere, Pflanzen und Nahrung, über Medizin und über die Moral, die das Zusammenleben und das Überleben der Menschen ermöglicht. Die Geschichten sind nichts Mystisches, sonderen dienen sowohl der Wissensvermittlung als auch der Geschichtsschreibung. |
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Letzte Änderung am 2002-05-20 |